Leitfaden zum Schweißen von Edelstahl

Edelstahl gehört aufgrund seiner Langlebigkeit, Festigkeit und hervorragenden Korrosionsbeständigkeit zu den weltweit bewährtesten Metallen. Bevor aus Edelstahl jedoch ein brauchbares Produkt entsteht, müssen seine Einzelteile ordnungsgemäß miteinander verbunden werden. Hier kommt das Schweißen ins Spiel. Das Schweißen von Edelstahl ist jedoch nicht so einfach wie das von gewöhnlichen Metallen. Es erfordert sorgfältige Arbeitsschritte und spezielle Schweißtechniken, um eine feste Schweißnaht zu erzielen. Wenn Sie sich mit diesem Thema noch nicht auskennen, machen Sie sich keine Sorgen! Dieser Leitfaden zum Schweißen von Edelstahl wird Ihnen die Arbeit erleichtern. Ich werde erläutern, wie man Edelstahl schweißt, welche Techniken es gibt und welche Sicherheitstipps zu beachten sind. Also legen wir los.

 

Warum unterscheidet sich das Schweißen von Edelstahl vom Schweißen von normalem Stahl?

Warum unterscheidet sich das Schweißen von Edelstahl vom Schweißen von normalem Stahl?

Auf den ersten Blick sehen Normalstahl und Edelstahl vielleicht gleich aus. In Wirklichkeit gibt es jedoch enorme Unterschiede, die sich auf die Schweißverfahren auswirken. Der erste Grund, warum sich das Schweißen von Edelstahl vom Schweißen von Normalstahl unterscheidet, ist die Zusammensetzung. Grundsätzlich gilt: rostfreier Stahl enthält Chrom. Es bildet eine dünne Schutzschicht auf der Oberfläche, die vor Rost und Korrosion schützt.

 

Normalstahl verfügt nicht über denselben Schutzgrad. Beim Schweißen kann jedoch zu viel Hitze diese Schutzschicht beschädigen, weshalb Edelstahl eine besonders sorgfältige Handhabung erfordert. Zweitens reagiert Edelstahl selbst anders auf Hitze. Er dehnt sich bei Temperaturänderungen stärker aus und zieht sich stärker zusammen als gewöhnlicher Stahl. Wird die Hitze nicht richtig kontrolliert, kann er sich verbiegen, verdrehen oder seine ursprüngliche Form verlieren.

 

Schließlich speichert Edelstahl die Wärme zudem sehr lange. Wird diese Wärme nicht abgeleitet, kann es zu einer Überhitzung kommen, die die Eigenschaften des Edelstahls verändern kann. Wenn sich die Eigenschaften ändern, kann Edelstahl nicht mehr die gleiche Leistung wie zuvor erbringen. All diese Faktoren erschweren jedoch das Schweißen von Edelstahl in Metallblechverarbeitung, aber nicht unmöglich. Daher setzen die Hersteller spezielle Schweißtechniken, eine geringere Wärmezufuhr, eine gleichmäßige Schweißgeschwindigkeit und den richtigen Schweißzusatz ein, um eine feste Schweißnaht zu erzielen.

 

Gängige Schweißverfahren für Edelstahl

 

Jetzt verstehen Sie, warum Edelstahl beim Schweißen besondere Aufmerksamkeit erfordert. Richtig? Denken Sie als Nächstes daran, dass Edelstahl nicht mit herkömmlichen Schweißgeräten oder -verfahren geschweißt werden kann. Stattdessen sind spezielle Techniken erforderlich, die den Eigenschaften von Edelstahl gerecht werden und eine feste, dauerhafte Schweißnaht erzeugen. Lassen Sie uns also einen Blick auf die gängigen Schweißverfahren für Edelstahl werfen.

 

1. WIG-Schweißen (GTAW)

WIG-Schweißen (GTAW)

Das WIG-Schweißen, auch als Gas-Wolfram-Lichtbogenschweißen (GTAW) bezeichnet, ist eines der beliebtesten Verfahren zum Schweißen von Edelstahl. Dabei wird eine nicht abschmelzende Wolframelektrode verwendet, um einen Lichtbogen zu erzeugen. Dieser Lichtbogen schmilzt die Kanten des Edelstahls. Diese geschmolzenen Kanten werden nun schnell miteinander verbunden, um eine feste Verbindung herzustellen. 

Wird zusätzliches Material zur Verstärkung der Verbindung benötigt, wird von Hand ein separater Schweißdraht hinzugefügt. Gleichzeitig strömt aus dem Schweißgerät ein Schutzgas, in der Regel Argon, um die Schweißnaht vor Luft und Verunreinigungen zu schützen. Eine der besonderen Eigenschaften des WIG-Schweißens ist die hohe Kontrollmöglichkeit, die es dem Schweißer bietet. Hier werden Wärme und Schweißzusatzwerkstoff separat gesteuert, sodass es viel einfacher ist, eine präzise Schweißnaht zu erzielen, ohne dass dabei zu viel Spritzer entstehen.

 

2. MIG-Schweißen (GMAW)

Eine weitere gängige Technik für Schweißen Edelstahl wird im Gas-Metall-Lichtbogenschweißen (GMAW) geschweißt. Bei diesem Verfahren führt ein Schweißgerät automatisch einen dünnen Draht durch die Schweißpistole. Dieser Draht dient als Schweißzusatzwerkstoff und schmilzt zusammen mit dem Edelstahl, wodurch eine feste Verbindung entsteht. Das bedeutet, dass Schweißen und Auftragen des Schweißzusatzes gleichzeitig erfolgen.

Bei diesen beiden Verfahren wird zusätzlich ein Gemisch aus Argon und anderen Gasen eingeblasen, um die Schweißnaht vor Luft zu schützen und sauber zu halten. Hersteller bevorzugen dieses Schweißverfahren vor allem für Edelstahl, da es sehr einfach und schnell ist. Der Schweißdraht wird automatisch zugeführt. Deshalb konzentrieren sich die Schweißer eher darauf, den Schweißbrenner zu führen, als den Schweißdraht von Hand nachzulegen. All dies ermöglicht präzises Schweißen, wodurch der Vorgang schneller und zuverlässiger wird.

 

3. Stabelektrodenschweißen (SMAW)

Nun kommen wir zum Stabelektrodenschweißen, auch bekannt als Schutzgasschweißen (SMAW), das bereits seit Jahrhunderten angewendet wird. Anstelle eines Drahtes wird dabei ein Metallstab verwendet, der als Elektrode oder Schweißstab bezeichnet wird. Wenn der Stab den Edelstahl berührt, entsteht ein heißer Lichtbogen. Dieser heiße Lichtbogen schmilzt sowohl den Stab als auch die Kanten des Edelstahls. Während der Stab schmilzt, füllt er die Lücke zwischen den beiden Werkstücken und verbindet sie miteinander.

Die Beschichtung des Stabes bildet zudem eine Schutzschicht, die die heiße Schweißnaht vor Luft schützt. Ein Grund, warum viele Menschen nach wie vor das Stabschweißen nutzen, ist, dass es an Orten gut funktioniert, an denen andere Schweißverfahren möglicherweise nicht geeignet sind. So kann man es beispielsweise im Freien anwenden, da starker Wind keinen Einfluss darauf hat. Das Schweißgerät für dieses Verfahren ist zudem leichter zu transportieren und zu bedienen. Nach Abschluss der Schweißnaht bildet sich jedoch eine harte Schicht, die als Schlacke bezeichnet wird. Diese Schicht muss für eine saubere Schweißnaht entfernt werden, was Zeit kostet.

 

4. Lichtbogenschweißen mit Fülldraht (FCAW)

Lichtbogenschweißen mit Fülldraht (FCAW)

Schließlich gibt es noch das Fülldraht-Lichtbogenschweißen (FCAW), das als zuverlässiges Verfahren zum Schweißen von Edelstahl gilt. Dieses Verfahren ähnelt dem MIG-Schweißen sehr. Der Hauptunterschied besteht darin, dass anstelle eines Massivdrahts ein spezieller, mit Flussmittel gefüllter Hohl-Draht verwendet wird. Während der Schweißung schmilzt der Draht, und das darin enthaltene Flussmittel bildet einen Schutzschild um die Schweißnaht. Dieser Schutzschild schützt das heiße Metall vor Luft und anderen Verunreinigungen.

Dieses Schweißverfahren ist für seine höhere Geschwindigkeit bekannt. Es ermöglicht das Schweißen von dickem Edelstahl wesentlich schneller als viele andere Schweißverfahren. Außerdem sorgt es für eine tiefe Schweißnahtdurchdringung, wodurch bei dicken Edelstahlblechen festere Schweißnähte erzielt werden können. Ein Nachteil des FCAW-Verfahrens ist jedoch, dass dabei viel Rauch und Spritzer entstehen, was manchmal zu Atemnot führen kann.

 

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Schweißen von Edelstahl

 

Da Sie nun die grundlegenden Schweißverfahren kennen, die für Edelstahl geeignet sind, fällt das Schweißen wesentlich leichter. Sie müssen lediglich einige Schritte sorgfältig befolgen und genau aufpassen. Das Ergebnis ist dann eine saubere, glatte und feste Schweißnaht an Edelstahl. Lassen Sie uns also die wichtigsten Schritte beim Schweißen von Edelstahl besprechen.

 

Schritt 1: Wählen Sie das richtige Schweißverfahren aus

Bevor Sie beginnen: Der erste Schritt beim Schweißen von Edelstahl ist die Wahl des richtigen Verfahrens. Wie ich oben bereits erwähnt habe, gibt es verschiedene Schweißtechniken. Das bedeutet jedoch nicht, dass alle gleichermaßen gut funktionieren oder für jede Edelstahlsorte geeignet sind. Sie müssen das Schweißverfahren daher sorgfältig anhand der Edelstahlstärke und der gewünschten Schweißnahtqualität auswählen. Wenn Sie beispielsweise mit dünnem Edelstahl arbeiten, ist das WIG-Schweißen in der Regel die beste Option. Wenn Ihr Projekt dickeres Metall umfasst, eignet sich das MIG-Schweißen am besten, da es schnell geht und Ihnen Zeit spart. Berücksichtigen Sie also alle Anforderungen und treffen Sie dann die richtige Wahl des Schweißverfahrens.

 

Schritt 2: Wählen Sie das richtige Schweißzusatzmaterial aus

Nachdem Sie das richtige Schweißverfahren ausgewählt haben, besteht der nächste Schritt darin, den geeigneten Schweißzusatzwerkstoff auszuwählen. Ein Schweißzusatzwerkstoff ist das Material, das beim Schweißen schmilzt, um die Lücke zwischen zwei Edelstahlteilen zu füllen. Seine Hauptaufgabe besteht darin, eine feste Verbindung herzustellen und zu verhindern, dass die Schweißnaht rostet. Bei der Auswahl sollten Sie daher vor allem darauf achten, dass das Schweißzusatzmaterial zur Art oder Güteklasse des zu schweißenden Edelstahls passt. Wenn Sie beispielsweise Edelstahl 304 schweißen, müssen Sie ein dafür vorgesehenes Schweißzusatzmaterial verwenden.

 

Schritt 3: Die richtigen Schweißparameter einstellen

Bevor Sie mit dem Schweißen beginnen, müssen Sie das Schweißgerät auf die richtigen Einstellungen einstellen. Diese Einstellungen werden als Schweißparameter bezeichnet. Zu diesen Parametern gehören der Schweißstrom (Stromstärke), die Spannung, die Drahtvorschubgeschwindigkeit (bei MIG oder FCAW) und der Schutzgasdurchfluss. Diese Werte bestimmen maßgeblich, wie viel Wärme erzeugt wird und wie die Schweißnaht entsteht. Bei der Einstellung dieser Parameter müssen Sie die Dicke des Edelstahls, das Schweißverfahren und die Art des Schweißzusatzes berücksichtigen. Bei dünnen Edelstahlblechen benötigen Sie eine geringere Geschwindigkeit und weniger Wärme, und umgekehrt.

 

Schritt 4: Die Teile heften und mit dem Schweißen beginnen

Nun haben Sie die richtigen Schweißparameter eingestellt. Richtig? Jetzt ist es endlich an der Zeit, mit dem Schweißen zu beginnen. Zuvor müssen Sie jedoch die Edelstahlteile miteinander heften. Was ist das? Heftschweißnähte sind kleine, vorübergehende Schweißnähte, die an einigen Stellen entlang der Fuge angebracht werden. Diese kleinen Schweißnähte dienen als vorübergehende Stützen, die den Edelstahl zusammenhalten.

Dadurch besteht bei der Wärmezufuhr keine Gefahr unnötiger Bewegungen, die zu ungleichmäßigen Schweißnähten führen könnten. Nachdem die Teile mit Heftschweißnähten fixiert wurden, können Sie nun mit dem endgültigen Schweißvorgang beginnen. Führen Sie den Schweißbrenner oder die Elektrode mit gleichmäßiger Geschwindigkeit. Versuchen Sie, den Schweißlichtbogen so gleichmäßig wie möglich zu halten und einen gleichbleibenden Abstand zum Metall einzuhalten.

Vermeiden Sie es außerdem beim Schweißen, die Arbeit zu schnell erledigen zu wollen. Edelstahl reagiert empfindlich auf übermäßige Hitze, wie zum Beispiel Aluminium. Stimmt’s? Wenn man also zu lange an einer Stelle verweilt, kann sich das Metall verbiegen, seine Farbe verändern oder einen Teil seiner Korrosionsbeständigkeit einbüßen. Man sollte sich außerdem nicht zu schnell bewegen, da die Schweißnaht sonst nicht fest genug wird.

 

Schritt 5: Das Metall auf natürliche Weise abkühlen lassen und überprüfen

Nach Abschluss des Schweißvorgangs begehen viele Anfänger den Fehler, den Edelstahl zu schnell abkühlen zu wollen. Das ist jedoch falsch. Lassen Sie ihn von selbst auf natürliche Weise abkühlen. Wenn Sie versuchen, Wasser darüber zu gießen oder eine andere Kühlmethode anzuwenden, entstehen Spannungen im Inneren der Schweißnaht. Infolgedessen wird die Schweißnaht nach dem Abkühlen schwach und bricht schnell auseinander. Sobald die Schweißnaht abgekühlt ist, überprüfen Sie sie sorgfältig. Sehen Sie sich die gesamte Schweißnaht genau an, um sicherzustellen, dass sie glatt, gleichmäßig und von einem Ende zum anderen vollständig verbunden ist. Achten Sie darauf, dass keine sichtbaren Risse, Löcher oder großen Lücken vorhanden sind. Wenn die Schweißnaht gleichmäßig, glatt und einheitlich ist, haben Sie Ihre Arbeit sehr gut gemacht.

 

Sicherheitstipps zum Schweißen von Edelstahl

 

Zweifellos scheint das Schweißen von Edelstahl sehr einfach zu sein. Allerdings ist dieser Vorgang mit großer Hitze, Funken und Elektrizität verbunden. Schon ein kleiner Fehler bei der Handhabung kann zu schweren Unfällen und Verletzungen führen. Deshalb sollten Sie vor Beginn der Schweißarbeiten die folgenden Sicherheitstipps beachten.

  • Zunächst müssen Sie persönliche Schutzausrüstung (PSA) tragen. Zur PSA gehören ein Schweißhelm, Handschuhe, eine Schutzbrille und flammfeste Kleidung. Der Helm schützt Ihre Augen und Ihr Gesicht vor dem hellen Schweißlichtbogen. Gleichzeitig schützen Handschuhe und Schutzkleidung Ihren Körper.
  • Zweitens: Arbeiten Sie stets in einem gut belüfteten Bereich. Beim Schweißen entstehen nämlich Dämpfe, die beim Einatmen zu schweren Lungenproblemen führen können. Wenn Sie in Innenräumen arbeiten, verwenden Sie Abluftventilatoren oder eine Absauganlage.
  • Beim Schweißen entstehen Funken, die mehrere Fuß weit vom Werkstück wegfliegen können. Wenn diese Funken auf Papier, Holz, Stoff, Brennstoff oder andere brennbare Materialien treffen, können sie schnell einen Brand auslösen. Halten Sie Ihren Arbeitsbereich daher stets sauber und frei von brennbaren Materialien. Es ist außerdem ratsam, einen Feuerlöscher in der Nähe bereitzuhalten und zu wissen, wie man ihn benutzt.
  • Überprüfen Sie vor Beginn der Schweißarbeiten Ihr Schweißgerät, die Kabel, den Schweißbrenner und den Elektrodenhalter. Beschädigte oder lose Kabel können zu einem Stromschlag führen. Wenn Sie also beschädigte Teile feststellen, ersetzen Sie diese umgehend, bevor sie zu einem ernsthaften Problem führen. Verwenden Sie außerdem die gesamte Schweißausrüstung gemäß den Anweisungen des Herstellers.
  • Zu guter Letzt sollten Sie Ihre Augen und Ihre Haut schützen. Der Schweißlichtbogen strahlt nämlich helles Licht aus, das schädliche ultraviolette (UV) und infrarote (IR) Strahlen enthält. Wenn Sie direkt in diesen Lichtbogen blicken, kann dies zu einer schmerzhaften Erkrankung führen, die als „Lichtbogenauge“ oder Blitzverbrennung bezeichnet wird. Auch Ihre Haut kann durch diese Strahlen Verbrennungen erleiden, selbst wenn Sie nicht ganz nah an der Schweißstelle stehen. Tragen Sie daher eine geeignete Schutzbrille und bedecken Sie Ihren Körper vollständig.

 

Schlussfolgerung 

 

Edelstahl ist eines der zuverlässigsten Metalle, das in vielen Produkten um Sie herum zu finden ist. Bevor er jedoch seinen Zweck erfüllen kann, muss er oft verbunden werden. Hier kommt das Schweißen ins Spiel. Das große Problem ist jedoch, dass sich das Schweißen von Edelstahl vom Schweißen herkömmlicher Metalle unterscheidet. Es enthält Chrom, dessen Korrosionsbeständigkeit bei einer Beeinträchtigung abnimmt.

 

Aus diesem Grund wenden Hersteller beim Schweißen von Edelstahl spezielle Schweißtechniken und sorgfältige Arbeitsschritte an. In diesem Artikel habe ich diese Schritte und Methoden erläutert. Beim Schweißen sollte jedoch die Sicherheit oberste Priorität haben. Tragen Sie daher stets persönliche Schutzausrüstung, halten Sie den Arbeitsbereich sauber, schützen Sie Ihre Augen und arbeiten Sie in einem gut belüfteten Raum.